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Ist
das Verkehrsaufkommen zu gering - muss der Autoabsatz
subventioniert werden?
Ist
die Abwrackprämie eine Veruntreuung von
Steuergeldern?
von
Manfred J. Müller
Haben
wir unsere Volksvertreter gewählt, damit sie
selbstherrlich die mühsam abgepressten Steuern
verwenden, um einseitig Wahlgeschenke zu verteilen?
Wie muss sich jemand vorkommen, der sich trotz harter Arbeit
wegen der vielen lohnbelastenden Abgaben kaum etwas
gönnen kann und mit ansehen muss, wie das ihm
abgeknöpfte Geld an andere weitergeleitet wird, damit
diese sich ein neues Auto kaufen.
Die
Mitglieder des Bundestags haben sich verpflichtet, dem Wohle
des deutschen Volkes zu dienen. Doch dieses hehre
Versprechen entpuppt sich in der Praxis als leere
Worthülse. Es ist nichts anderes als ein Freibrief, mit
dem man völlig unabhängig vom Volkswillen schalten
und walten kann. Was dem Wohl des Volkes dient, wird kaum
jemals in der Öffentlichkeit diskutiert oder in einer
unabhängigen Expertenrunde ergründet, sondern
selbst bestimmt. Und selbst wenn eine richtungsweisende
Entscheidung sich im Nachhinein als großer Fehler
entpuppt, kann er durch den regierungstreuen
Propagandaapparat noch schöngeredet werden - weil die
Zusammenhänge zu komplex sind, um von der breiten
Bevölkerung richtig durchschaut zu werden.
Dieser
unkontrollierte große Ermessensspielraum ist einer
echten Diktatur nicht unähnlich. Auch Diktatoren
rühmen sich ungeniert, nur im Sinne des Allgemeinwohls
zu handeln.
Was
die Abwrackprämie betrifft, beruft sich die Regierung
auf die konjunkturelle Notlage: "Die Wirtschaft muss schnell
und zielführend angekurbelt werden". Aber muss Sie das
wirklich? Denn auch die beste Rhetorik kann nicht
grundsätzliche Logik außer Kraft setzen. Und eine
Binsenweisheit lautet, dass jeder sein Geld nur einmal
ausgeben kann. Wer als Normalverdiener sein Geld für
eine neues Auto ausgibt, muss früher oder später
an anderer Stelle sparen. Die Abwrackprämie entzieht
also das Geld anderen Bereichen. Es handelt sich letztlich
nur um eine Verschiebung des Kaufverhaltens, nicht aber um
eine wirkliche Konjunkturankurbelung.
Dabei
ist der volkswirtschaftliche Effekt sogar häufig
negativ: Es wird ein neuer ausländischer Zweitwagen
gekauft und dafür vielleicht notwendige
Renovierungsarbeiten am Haus verschoben. Die
Renovierungsarbeiten wären der deutschen Wirtschaft
zugute gekommen und hätten oftmals noch eine
energiesparende Wirkung gehabt - der Kauf eines
ausländischen Kleinwagens hätte genau gegenteilige
Auswirkungen - sowohl was unseren Wirtschaftsstandort
betrifft als auch bezüglich der Umweltbilanz.
Unmittelbar zu spüren bekommen den Auftragsschwund die
Autowerkstätten - die vorzeitig aus dem Verkehr
gezogenen Altautos (eigentlich eine geförderte
Vernichtung von Volksvermögen) lassen das
Reparaturaufkommen sinken.
"Die
Abwrackprämie ist ein Riesenerfolg"
Mit
breiter Unterstützung durch die Medien sprechen die
Verantwortlichen der Abwrackprämie von einem
Riesenerfolg ihrer Maßnahme. Aber Eigenlob stinkt
bekanntlich. Denn was bedeutet in diesem Falle Erfolg? Ist
es ein Erfolg, wenn großzügig auf Pump
finanzierte Geldgeschenke auch wirklich angenommen werden?
Ist es ein Erfolg, wenn das Kosumverhalten der Steuerzahler
über Prämien in eine bestimmte Richtung gelenkt
wird, worunter andere Branchen leiden (Aushebelung der
Marktwirtschaft). Ist es ein Erfolg, ein Strohfeuer
anzufachen, das nach Auslaufen der Aktion ein Riesenloch
hinterlässt (lang anhaltende Kaufzurückhaltung
wegen der Markterschöpfung und der ständigen
Hoffnung auf neuerliche Prämien)?
Ich
halte es für anmaßend und unverschämt, in
der jetzigen Situation das Wort "Erfolg" überhaupt in
den Mund zu nehmen. Denn die Abwrackprämie hat es nicht
einmal ansatzweise geschafft, den wirtschaftlichen Abschwung
zu stoppen (nicht einmal in der Autobranche). Dies kann auch
nicht verwundern, wo doch wie erwartet die
Abwrackprämie hauptsächlich den Kauf importierter
Autos stimuliert hat. Die Offensichtlichkeit des Misserfolgs
demonstriert die im Handstreich beschlossene
Verlängerung der Aktion. Man hat offenbar panische
Angst, dass der nach dem Strohfeuer erwartete Absatzeinbruch
noch vor der Bundestagswahl das Scheitern der Mission
beweist.
Das
dicke Ende kommt!
Kann
die Abwrackprämie ewig verlängert werden?
Natürlich nicht! Spätestens im nächsten Jahr
wird man das unmoralische
Verteilungssystem
abbrechen müssen. Und der dann zu erwartende
Absatzeinbruch birgt die große Gefahr eines gewaltigen
Konjunkturabschwungs.
Warum
nicht Maßnahmen ergreifen, die tatsächlich dem
Allgemeinwohl dienen?
Niemand
will bestreiten, dass in der jetzigen schwer
einschätzbaren Lage Handlungsbedarf besteht. Aber warum
nicht Maßnahmen ergreifen, die gleich mehrere Probleme
lösen, die den globalen Dumpingwettbewerb (die Ursache
allen Übels) und das Ungleichgewicht
zwischen Arbeit und Kapital
abmildern. Es gibt intelligente Lösungen, auch wenn
diesen nicht von der mächtigen Kapitallobby
unterstützt werden. Weiteres...
PS:
Wie lässt sich die Abwrackprämie
rechtfertigen?
Was
treibt die Politik zu Kurzschlusshandlungen, wie sie nicht
nur nach meinem Empfinden eine Abwrackprämie darstellt?
Da dominierte zunächst einmal sicher die Hoffnung, die
Prämie könne den dramatischen Pkw-Absatzeinbruch
stoppen und somit die Entstehung einer befürchteten
Panikstimmung in der Bevölkerung verhindern. Dabei
lässt sich heute schwerlich beurteilen, ob ohne diese
künstlichen Anreize das Vertrauen in die Wirtschaft
wirklich gestärkt haben. Denn Notprogramme wie die
Abwrackprämie erwecken von Natur aus schon schlimmste
Befürchtungen ("die Lage muss ja verdammt schwierig
sein, wenn so etwas notwendig ist"). Zudem haben die beiden
Flaggschiffe der deutschen Automobilindustrie, BMW und
Mercedes, von der Abwrackprämie kaum profitiert - und
trotzdem sind aus dieser Richtung keine
Katastrophenmeldungen an die Öffentlichkeit gedrungen.
Man sollte nicht vergessen, dass durch das Instrument der
staatlich subventionierten Kurzarbeit den Konzernen bereits
ein wirksames Mittel in die Hand gedrückt wurde,
Konjunkturdellen ohne große Blessuren zu
überstehen. Anstatt die Talsohle tapfer durchzustehen
hat man versucht, durch Steuermilliarden Zeit zu gewinnen
und einen Aufschub zu erkaufen. Aber was kommt
danach?
Als
weiteren Beweggrund für die Verteilung der
Abwrackprämie vermute ich ausländischen Druck. Als
vermeintlicher "Exportweltmeister"
fürchtet man nichts mehr als ein Wegbrechen der
Absatzmärkte durch aufkeimenden Protektionismus. Die
Abwrackprämie sollte hier sicherlich Vorbildcharakter
zeigen, man wollte zeigen "sehr her, wir machen das, obwohl
hauptsächlich ausländische Autobauer davon
profitieren werden". Es sollte ein Signal sein für eine
uneigennützige Unterstützung der Weltkonjunktur
(wie sie von ausländischen Regierungen immer wieder
wohlfeil eingefordert wird).
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©
Manfred J. Müller, Flensburg, Februar 2009
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Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch vier Bücher erschienen: "Die
Kultivierung des Kapitals", 2001, "Anti-Globalisierung.
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