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Mehrwertsteuererhöhung
trotz Wirtschaftskrise?
Manfred
Julius Müller
Es
gibt viele vernünftige Leute, auch in der Politik,
welche die Vorteile einer Mehrwertsteuererhöhung zwar
generell eingestehen, aber in der Wirtschaftskrise nichts
davon hören möchten.
"Jetzt
sei nicht der richtige Zeitpunkt" meinen sie und fühlen
sich genötigt, angesichts der bevorstehenden
Bundestagswahl auch noch eine Unterlassungsklärung
für die ganze nächste Amtsperiode abgeben zu
müssen.
"Wir werden die Mehrwertsteuer in den nächsten 4 Jahren
nicht anheben" versichern sie, ohne überhaupt die
Nöte und Notwendigkeiten der bevorstehenden schweren
Zeiten seriös einschätzen zu
können.
An
diesem Beispiel zeigen sich einmal mehr die Nachteile einer
auf die Wählergunst angewiesenen Demokratie und
verbindlicher Wahlzusagen. Sich jetzt schon festlegen und
eine Garantieerklärung abgeben halte ich für
fahrlässig und gewagt - scheint aber wohl doch für
den angestrebten Wahlerfolg erforderlich zu sein.
Sobald nämlich der Sachverhalt etwas komplizierter wird
besteht die akute Gefahr, dass sowohl Medien als auch
Konkurrenzparteien durch unsachliche Polemik das mangelnde
Wissen der Bevölkerung schamlos ausnutzen.
Dabei
wäre gerade in der Krise eine
Mehrwertsteuererhöhung angesagt...
Eine
Weltwirtschaftskrise wie wir sie jetzt vorfinden wäre
eigentlich der ideale Zeitpunkt, aus den Fehlern der
Vergangenheit zu lernen und der (ver)zweifelnden Menschheit
mit plausiblen Maßnahmen eine neue Perspektive zu
bieten.
Das
globale Dumpingsystem (ausgelöst durch den Zollabbau)
ist gescheitert, darüber sollte sich eigentlich jeder
intelligente Mensch im Klaren sein. Eine
Mehrwertsteuererhöhung entwickelt die gleichen
positiven Wirkungen wie die leider verpönten Zölle
(Importe werden teurer, die inländischen
Lohnnebenkosten sinken).
Mit der durch eine Mehrwertsteueranhebung ausgelösten
Abschwächung des globalen Dumpingsystems würde man
sich endlich an die Ursachen der Krise heranwagen.
Wer meint, mit einigen neuen Finanzregeln die fundamentalen
Strukturfehler der Globalisierung beheben zu können,
hat die Zusammenhänge im freien Spiel der globalen
kapitalgesteuerten Kräfte und das Ausmaß der
Krise immer noch nicht begriffen.
Ehrlichkeit
und Aufrichtigkeit ist auch heute noch das
erfolgversprechendste Konzept
Auch
Politiker sollten wissen, dass durch Wegschauen, Leugnen und
Verschleiern ursächliche Probleme noch niemals
gelöst wurden. Eine gigantische Ausweitung der
Staatsverschuldung schafft nur vorübergehende
Entlastung - das dicke Ende kommt, wenn nicht wirklich
einmal mit der ehrlichen Aufarbeitung von Systemfehlern
begonnen wird.
Es
gibt keine Alternative zur Abkehr vom globalen
Dumpingsystems. Die letzten 30 Jahre haben eindrucksvoll
bewiesen, dass der weltweite Lohnwettbewerb für alle
Hochlohnländer ins Verderben führt. Trotz steter
Produktionsfortschritte sind seit 1980 die realen
Nettolöhne in Deutschland um mindestens 15 Prozent
abgesunken - ein Paradoxem ohnegleichen.
Zu niedrige Importsteuern (Zölle oder Mehrwertsteuern)
führen generell zur Erpressung der Erwerbstätigen
(weil die Lohnunterschiede zu fernen Ländern viel zu
gewaltig sind). Zu niedrige Importsteuern führen auch
grundsätzlich zu einer Erpressung des Staates, der um
den Erhalt der letzten Industriearbeitplätze bangen
muss und deshalb dem Kapital (den Investoren) eigentlich
unverantwortlich hohe Subventionen zubilligt (was
unweigerlich schwerwiegende Fehllenkungen und Misswirtschaft
nach sich zieht und das marktwirtschaftliche Prinzip
unterläuft).
Ein
netter Nebeneffekt - die Ankündigung einer
Mehrwertsteuererhöhung wirkt konjunkturbelebend!
Man
stelle sich vor, die neue Bundesregierung hätte den
Schneid, für den 1.1. 2011 eine allgemeine
Mehrwertsteueranhebung von 4 Prozent anzukündigen (die
endlich auch den niedrigen Schmusesteuersatz bei
Lebensmitteln einschließt).
Was würde dadurch erreicht? In Erwartung von
bevorstehenden Preissteigerungen würde die Kaufneigung
für über 12 Monate zusätzlich belebt. Die
Bevölkerung würde im vermutlich tiefsten Tal der
Krise zum Konsum ermutigt. Dieses Konjunkturprogramm
wäre im Gegensatz zur Abwrackprämie völlig
kostenlos und würde auch nicht so einseitig und
ungerecht nur einer einzelnen Branche und einer kleineren
Bevölkerungsgruppe zugute kommen.
Aber vielleicht gilt ja auch in Regierungskreisen immer noch
der Grundsatz "was nichts kostet taugt auch nichts" oder
"alle Menschen sind ungleich" - staatliche Geschenke und
Prämien bekommen nur die, die bestimmte Güter
vorweisen können (im konkreten Fall waren es alte
Autos).
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©
Manfred J. Müller, Flensburg, 2009
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Manfred
Julius Müller
analysiert
seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlicht brisante Aufsätze zu den heikelsten
Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die
weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen
Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung
beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine
Million Besucher. Inzwischen sind auch einige Bücher
erschienen, u. a. die
Trilogie
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